Die Pitney Fibel oder: was ein Paar Schuhe ausrichten

Es begab sich aber zu der  Zeit, dass die Sommerkrönung der SCA in Drachenwald (Europa) stattfand und das Gepäck einer Dame, die dies Event besuchte, leider nie in Nürnberg ankam. (Um es vorwegzunehmen, das Gepäck ist inzwischen wieder aufgetaucht und wohlbehalten bei ihr daheim). Dies führte dazu, dass sie während des Mittelalterevents keine Gewandung hatte, welches zwar ärgerlich und lästig war, denn für eine Krönung zieht man sich immer nochmal extra schick an, aber gelöst wurde durch das Ausleihen von Sachen anderer Teilnehmer.

Am Sonntag allerdings stand ein minimal größeres Problem im Raum, nämlich: Woher bekommt sie Schuhe? Ihre Ballerinas waren zugegebenermaßen nicht wirklich für längere Touren geeignet. Also fragte ich sie, welche Schuhgröße sie hätte, und sagte auf ihre Antwort „37/38“ ein kleines Gebet zum Herrgott, der mir wohl damit ein Zeichen gab. Ich trage nämlich besagte Größe und die einzigen Schuhe, die ich noch dabei hatte außer denen an meinen Füßen waren die meiner Gewandung.

Wir erinnern uns: Im Sommer schaute ich, in Ergänzung zu meiner römischen Darstellung, wieder einmal nach „calcei„, denn nach meinem letzten Wissensstand trugen die sogenannten „Mittelalter-/Wikinger-Schuhe„, also die Dinger, die man auf jedem Markt zu kaufen bekommt, wenn überhaupt dann nur arme Leute im römischen Reich.

Und siehe da, in der örtlichen Galeria Kaufhof stand ein Paar Halbschuhe, die perfekt aussahen. Stabile Sohle, rotes Leder, symetrische Lederschlaufen (man mußte nur das asymetrische Gummigeschnubbsel entfernen) … genau so, wie es in den Museen in der Vitrine zu sehen ist (ja, gut, mit moderner Sohle halt, das war mir aber nur Recht). 

Waren allerdings von Josef Seibel (renommierte Marke mit qualitativ hochwertigen Schuhen) und kosteten knapp hundert Euro. (Oh, ich sehe gerade beim Link einfügen, es gibt sie auch in grün! Wie genial!)

Lange Rede, kurzer Sinn. Die Schuhe wurden damals gekauft und nun an die schwedische Fußbekleidungslose verliehen mit der Bitte, sie bitte möglichst per Track&Trace und versichert zurückzuschicken, da sie mir doch lieb und teuer sind.

Gestern kamen sie wieder bei mir an, zusammen mit einer lieben Karte und einer Brosche, die mich nunmehr dazu „zwingt“, mal über eine Frühmittelalterdarstellung nachzudenken. Ich meine, ich kann ja nicht ein neues Schmuckstück haben und keine passende Gewandung dazu, oder? 🙂

Alle folgenden Infos via: PeraPeris, die ich im Übrigen von Herzen empfehlen möchte, denn die beiden römischen Fibeln, die ich kurz vorm Event von ihnen kaufte, sind ebenfalls fabelhaft.

Die Pitney-Brosche (Pitney brooch) datiert um die Zeit von 1050 bis 1100 und gehört damit der ausgehenden Wikinger-Zeit an. Der Originalfund befindet sich heute im British Museum in London.

Die Pitney-Brosche zeigt zwei kämpfende Schlangen im sogenannten Urnesstil, der typisch für die späte Wikinger-Zeit war. Dieses Motiv symbolisiert vermutlich den immerwährenden Kampf zwischen den Kräften, also das ewige Ringen von Gut und Böse in der Welt, wie es in der Wikinger-Zeit häufig thematisiert wurde. Die angelsächsische Brosche der späten Wikinger-Zeit ist die Verbindung zweier Kunststile: Das Motiv der Schlange auf der Pitney-Brosche ist eindeutig der Wikinger-Kunst zuzuordnen, Muschelrand und geperlte Schlangenlinie hingegen sind angelsächsiche Charakteristika.

Wie andere Wikinger-Fibeln wurde auch die Pitney-Brosche mittig in Brusthöhe am Frauengewand getragen oder zum Schließen leichter Umhänge verwendet. 

Die Pitney Brosche gehört stilistisch dem Urnes-Stil an, dem letzten der sieben großen Kunststile der Wikinger-Zeit und datiert in die Mitte des 11. Jh.  Den Namen verdankt diese Kunstrichtung der berühmten Stabkirche von Urnes im südlichen Norwegen, an der sich herrliche Schnitzereien in diesem markanten Tierstil bis heute hervorragend erhalten haben. Im Urnesstil findet man im gesamten nördlichen Raum eine Vielzahl von Schmuckstücken, insbesondere durchbrochene Fibeln und Broschen mit wunderbar verschlungenen Leibern, im archäologischen Fundmaterial.

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