going roman – ein Versuch für Make-Up und Frisur

Kurz als Einleitung: Am nächsten Wochenende ist SCA Kingdom University in Delft, ich bin da und Richart will ein Foto von mir machen. Da Richart gute Bilder macht und viele Leute in der SCA bereits tolle Gewandung von circa 1520 haben (meine derzeit „andere“ Zeit in der SCA), habe ich mich entschlossen, mal wieder meine Lieblingsepoche auszugraben, römisches Reich. Das ist nicht ganz mittelalterlich, obwohl die SCA die Zeitgrenze nach unten inzwischen meines Erachtens aufgehoben hat, aber einfach eine so unglaublich facettenreiche Epoche, dass man da eh nie fertig wird mit dem Recherchieren. Schon gar nicht über römische Frauen. Da geht es ja schon los damit, in welcher Zeit genau man sich bewegt. Für mich kristallisiert sich langsam 2. – 4. Jahrhundert nach Christus heraus. Das sind immer noch 200 Jahre, ich weiß. Das Ding ist: Ich hätte mich gerne auf das 4. Jh. konzentriert, einfach, um dicht am Mittelalter / der SCA Grenze zu bleiben, allerdings ist gerade die Zeit in meinen Augen hochgradig schwierig, da es überall schon Vermischungen und Übergänge in die Völkerwanderungszeit gab und es schwierig ist, „generisch römisches“ zu finden. Schwieriger als fürs 2. Jahrhundert jedenfalls. Wie immer muss sehr nach Region, Stand, Quellenlage etc. unterschieden werden. Ein weites Feld.

Hier aber nun mein Versuch für eine Frisur (2. Jh. „Turm“ Frisur nach Janet Stephens) und Make-Up.

Frisurenbeispiele:

Statue Vibia Sabina , ca. 86 -136 (https://de.wikipedia.org/wiki/Vibia_Sabina)

Statue Roman Lady, ca. 130 – 140

Statue aus der Hadrian-Zeit (ca. 140)

15:35 Uhr. Es geht gut gelaunt los.
Anmerkung: Frisch gewaschene Haare sind ungünstig, lasst sie lieber einen Tag oder zwei einfetten.

15:40 Uhr. Die Haare wurden zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden.

16:05 Uhr. Die Haare wurden in sechs Stränge unterteilt und jeweils geflochten. Man hätte die Enden damals vernäht (das übrigens geht super), aber ich habe der Einfachheit halber Haargummis genommen.

16:05 Uhr (immer noch). Ich bin ziemlich kaputt. Flechten über Kopf ist anstrengend. Und vorne lösen sich schon wieder die ersten Haare. Argsl.

16:15 Uhr. Jeweils drei Stränge werden zusammengenäht (Stopfnadel & Faden), so dass sie eine Wand bilden.

16:20 Uhr. Dann das Ganze nach vorne legen und vorne wieder zusammen befestigen (Haargummi bzw. nähen im Original). Danach den „Turm“ (naja, in meinem Fall eher ein Türmchen … eine Balustrade sozusagen) am Haupthaar festnähen.

16:25 Uhr. Zu guter Letzt alles gefällig anordnen (so gut dass am eigenen Hinterkopf geht) und in diesem Fall mit Haarspray (ich hatte einfach sowas von keine Lust mehr) oder zum Beispiel Haaröl glätten und „schick“ herrichten.

Teil eins ist hiermit nach 50 Minuten erledigt.

Teil zwei ist eine freie Interpretation meines Wissens über römisches Makeup (künstliches Aussehen, helle Haut, Mineralstoffe, Lippenstift ja/nein, Kohl, betonte Augenbrauen).

16:25 Uhr. Yours truly mit einer Menge Feuchtigkeitscreme. Cremes gabs damals schon in Hülle und Fülle, eine davon hab ich sogar mal nachgemacht.

16:30 Uhr. Normalerweise hätte ich jetzt Galenos Creme aufgetragen und mit einem Pinsel zerriebene Tafelkreide auf dem Gesicht verteilt (geht super, schon getestet; Kreide wurde damals auch schon benutzt). Aber ich bin ein Fan von schnellen Lösungen und so wurde es Kryolan 1W, eine Theaterschminke, die zwei Töne heller ist als meine Haut üblicherweise ist.

16:40 Uhr. (Inzwischen habe ich einen Kohlstift und hellen Kajal gekauft – verarbeitet sich einfach besser). So wurde es an diesem Nachmittag aber mit Bordmitteln (beides Eyeliner) erstmal das obige Ergebnis.

16:45 Uhr. Kommen wir zum lustigen Teil – dem Spiel mit der Farbpalette! Sicher ist, dass Blau- und Grüntöne (gemahlener Azurit bzw. Malachit) verwendet wurden für Lidschatten. Ich meine auch, etwas über andere Farben gelesen zu haben, aber bevor ich hier Müll schreibe, recherchiere ich das lieber nochmal.

16:50 Uhr. Lippen färben ja oder nein? Die Geister scheiden sich. Manche sagen, ja, es wurde gefärbt mit einer ockerhaltigen Creme, manche verneinen, dass  die Römer sich je die Lippen gefärbt haben. Also habe ich einen Mittelweg genommen und meine Lippenfarbe einfach etwas mehr betont. Die gleiche Creme habe ich übrigens auch auf den Wangen als Rouge. Man mag da ja unterschiedlicher Meinung sein über das „künstliche“ Ideal der Römerzeit, ich persönlich bevorzuge das etwas übertriebene Aussehen, nicht allzu natürlich. Nach dem Motto „Ich bin reich genug um mich schminken zu können, also mache ich das auch.“

16:55 Uhr. Nach einer halben Stunde schminken ist dies das Endergebnis. Ungefiltert, auf die Schnelle, einfach zum Testen. Ich dachte, ich lasse euch an dieser Versuchsreihe teilhaben, hoffe, es hat euch gefallen und freue mich über eure Kommentare!

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