Samstag, 4. August

Da war er, der letzte Tag. Der Vorhang fällt, „Nisha“ feierte Derniere. Da ich bei der Premiere nicht auf der Bühne stand, fiel mir die Derniere zu, ein Novum für mich. Und auch ein bisschen mit Sorge meinerseits betrachtet, denn man muss wissen, ich hasse nichts mehr als dumme Dernierenscherze. Leider habe ich davon zu viele erlebt, um wirklich entspannt in Dernieren zu gehen. Was ist ein schlechter Dernierenscherz? Zum Beispiel, in einer mittelalterlichen Tavernenszene moderne Konfettikanonen zu benutzen. Oder unabgesprochen Teile des Kostüms anderer Leute auszutauschen. Sicher, man mag mir vorwerfen, ich wäre zu pedantisch und spaßbefreit, ich stehe einfach auf dem Standpunkt, dass das Publikum auch für eine letzte Vorstellung Geld bezahlt hat und eine saubere Vorstellung erwartet und bin persönlich auch so ein nervöser Perfektionist, dass mich Änderungen im Betriebsablauf nur durcheinander bringen. Demgegenüber steht die Frage, was ein guter Dernierenscherz wäre, und ja, natürlich gab es auch bei Nisha welche. Die aber eben passten, und abgesprochen war. Mit am schönsten vielleicht der, dass der Abtransport des vermeintlich betrunkenen Fabian von der Bühne nicht durch unsere „Polizisten“ stattfand, sondern durch die echten Sanitäter, die jeden Abend ohnehin vor Ort waren. Das war zur Szene passend, knackig und unauffällig. So geht es auch.

Meine Gesangslehrerin war da! Gottseidank habe ich sie erst am Ende gesehen, wer weiß, wie viel extra Adrenalin ich vorher ausgeschüttet hätte. So habe ich halt wie immer mein Zeug gemacht und gesungen, sehr zu ihrer Freude. Sie war zufrieden mit mir. Was will man mehr.

Tja, und sonst? Ein Abend voller Konzentration und Nervosität (ich habe ein paar Fehler gemacht, die ich nie vorher drin hatte, hmm), Glück, Liebe, Freundschaft und Wärme. Diese Spielzeit hat mir sehr gut getan, unter anderem, weil wir in der „Fabian-Welt“ so ein kleines, gutes, eingeschworenes Team waren, und ich finde, die Spielzeit lief sehr harmonisch ab. Es gab, zumindest aus meiner Sicht, keine großartigen Unterschiede zwischen allen Darstellern, jeder hatte seinen Part und jeder Part war wichtig; man wusste, wie man zusammenarbeitet und hat es gern gemacht.

DANKE ihr Lieben! ❤

Insbesondere auch danke an Christine, die ein Bild von mir und meinen beiden „Achims“ machen wollte (ich stand mit Andi auf der Bühne, aber natürlich war Heiko auch da, es war immerhin Derniere) und es mir schickte. Alleine hätte ich mich nicht getraut zu fragen, weil ich die Leute dann auch immer nicht stören möchte nach der Vorstellung nur wegen eines Bildes, aber es ist eine wunderbare Erinnerung. Danke, liebe Bühnenehemänner, es war toll mit euch!

Um halb zwei oder so war ich daheim, um halb vier endlich im Bett. Gerne hätte ich noch mit „der Jugend“ gefeiert, aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist. Und außerdem wartet am nächsten Tag der Abbau des ganzen Geraffels.

***

Ich bin im Laufe der Spielzeit gefragt worden, warum ich denn in diesem oder jenem Stück nicht im Ensemble unbezahlt mitsingen möchte, wenn ich doch bei den Cadolzburgern viel größere Rollen unbezahlt spiele. Ich bin noch nicht am Ende des Denkprozesses angelangt, aber salopp würde ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen: Ich habe bei den Burgfestspielen Möglichkeiten, die mir bisher kaum jemand anderes geboten hat. Wann hat man schon mal die Chance auf ein Solo-Gesangsstück, eine Rolle mit Geschichte? Ich finde gerade das ist ja ein, wie soll ich sagen, ein Bonbon.
Vielleicht bin ich da zu sehr auf Gerechtigkeit bedacht, vielleicht stehe ich mir damit auch selbst im Weg: Bei den Burgfestspielen wird niemand, der auf der Bühne steht, bezahlt. Dadurch wird keiner bevorzugt und dadurch gibt es auch kaum Streit (zumindest nicht deshalb ;)). Klar kann man den Standpunkt vertreten, mit Geld könne man sich gute Sänger und Schauspieler einkaufen, aber das ist dann eben nicht mehr das Konzept der Burgfestspiele, das sehr auf Ehrenamt und echter familiärer Atmosphäre beruht.
Nein, wir bekommen kein Geld. Was wir aber bekommen ist Leidenschaft, ein „an einem Strang ziehen“ aller, ist kostenloses Tanztraining für die Mitglieder, eine kostenlose Chormitgliedschaft, sind Wochenend-Workshops mit Musicaldarstellern und Schauspielern, ist eine für Mitglieder kostenlose Möglichkeit, über ein verlängertes Wochenende nach Oradour oder Mauterndorf zu fahren, sind vergünstigte Tanzschuhe und Kleidung. Und dadurch ein ganz anderes Gefühl der Zusammengehörigkeit.
In anderen Gruppen ist das anders, und das ist auch gut so, denn jede Gruppe hat ihr eigenes Konzept, das auch sehr davon abhängt, was die Zielrichtung ist, wie groß die jeweilige Gruppe ist, wie viel und ob überhaupt Budget da ist, und in was man investieren möchte.
Aus meiner Sicht, zum jetzigen Zeitpunkt, finde ich das Konzept der Cadolzburger aber sehr charmant und überzeugend. Auch wenn bei uns keine Maria Callas und kein Peter Hofmann mitmachen.

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