Alien unter Nerds

Das war sie, die fünfte Timelash, *die* Convention für deutsche Doctor Who Fans.

Und, wie war es so?

Meine Eindrücke in unzusammenhängenden Stichworten:

Die Küche ist neuerdings oben, es gibt auch Sitzgelegenheiten, das ist super. Und auch das Essen sah lecker aus.

Die Moderation wurde zu weiten Teilen von Edward Russell übernommen, der das einfach drauf hat. Es war sehr angenehm, Profis am Werk zu sehen, an die klassisch deutsche Kodderschnauze habe ich mich nie recht gewöhnen wollen, das erschien mir immer zu barsch. Überhaupt, angenehm wenig Gelaber in den Moderationen, alles sehr auf den Punkt.

Das Hotel Reiss war teuer, aber gut, ich habe fantastisch geschlafen.

Die Bar im Hotel war wie jedes Jahr, nämlich beschissen. Warum die es nicht gebacken bekommen, für die zwei Abende einen Profi einzukaufen, ist mir schleierhaft.

Die Panels waren interessant, kurzweilig und tiefgründig.

Es gab zwischendurch immer wieder Lüftungspausen zur Sauerstoffzufuhr, das fand ich sehr, sehr angenehm.

Die Stargäste waren freundlich, mitunter herzlich, und sehr professionell. Ich war wie immer zu schüchtern, aber habe mich sehr wohl gefühlt.

Das Stardinner war wie letztes Jahr – gutes Essen, verbesserungswürdiger Buffetaufbau. Aber dafür gab es sehr freundliches und hilfsbereites Personal, die auch extra noch Vorspeisen und Desserts auf die Schnelle nachgeliefert haben, das war echt super!

Leider gab es wieder wenig Austausch an den Tischen, und einige Gäste sind (zu) bald gegangen, ohne dass man mit ihnen hätte ein Wort wechseln können. Gegen Ende standen die Leute dann versprengt im Raum, das hat dem Ganzen etwas die Gemütlichkeit genommen, fand ich. Die Gäste waren fast ausnahmslos dem Dinner angemessen gekleidet, es gab wenig T-Shirts und Cosplayklamotten, das war sehr schön.

Dafür waren der boah und ich tagsüber unter den wenigen, die weder Fanshirt noch Kostüm noch Devotionalien trugen.

Die Musik aus der boom Box im Nebenraum am Sonntag war leider sehr schreiig (und seltsam… Time to say Goodbye am Sonntag mittag?!)

Die Sache mit dem „keine Plätze mit „deutschem Handtuch“ belegen“ hat leider nicht alle Gäste interessiert. Sehr ärgerlich, insbesondere im Mittelblock. Naja, der liebe Herrgott hat einen großen Tiergarten…

Es waren erstaunlich wenig Händler oben, dadurch wirkte der Raum etwas verloren. Dafür gab es Stände fürs Cosplay.

Das Helferteam, also die, die ich gesehen habe, war durch die Bank klasse. Sehr freundlich, routiniert und dezent.

Für jemanden wie mich, der nicht ständig in der Facebook Gruppe unterwegs ist, wäre es nett, wenn Anforderungen an Helfer, oder meinetwegen auch Springer während des Events, auf der Webseite klar kommuniziert werden würden. Ich kann verstehen, dass man keine Leute haben will, die sich „die Rosinen rauspicken“, aber auf ein allgemeines „Du machst eben alles“ bewerbe ich mich halt nicht. Zumal meine Rosinen sicher andere sind als die anderer Leute.

Pascal geht. Klar, das Leben geht weiter. Für jeden von uns. Ich gönne es ihm von Herzen, denn ich halte ihn für einen Menschen, der sehr klar sieht und entscheidet. Für das restliche Team, und sicher auch für viele der Gäste, ist der Abschied dennoch schade. Nicht umsonst gab es standing ovations.

Ohne Michaela und Klaus, sowie Simone, wäre unser kleiner Little More Sonic Tisch nicht Realität geworden. Dafür von Herzen danke.

Insbesondere danke an Michaela, die mich mehr getragen hat an diesem Wochenende, als ihr bewusst ist.

Nach Kassel sind es nur zwei Stunden Zugfahrt. Genial.

Die nächste Timelash ist am 10. und 11.10.2020.

Jetzt zum Bedrückenden. Ich kam mir unter allen Fans, Nerds und Verrückten, die bei dieser Convention endlich die Chance haben, sich mit gleichgesinnten Fans, Nerds und Verrückten zu treffen, wie ein Alien vor.

Ich liebe Geschichten. Ich liebe das Konzept Doctor Who. Ich liebe die unendlichen Dinge, über die man sich neben den eigentlichen Geschichten Gedanken machen kann, Fernsehgeschichte, Tricktechnik, Schauspielerleben, Erzähltechniken und so weiter. Und ich mag die Panels und Möglichkeiten, darüber etwas zu lernen.

Mehr und mehr habe ich aber das Gefühl, es gibt weniger und weniger meiner Art und man muß irgendwie betonen, was für ein großer Fan man ist. Oder mindestens eine ausgefallene Frisur tragen, wenn schon kein Shirt oder Cosplay. Mir liegt das aber nicht. So blöd das klingt, aber ich bin dafür zu schüchtern, und es ist auch einfach nicht meins. Ich mach mein Zeug, weil ich es gerne mache. Und weil ich Doctor Who liebe.

Und falls es da draußen noch weitere Nerds wie mich gibt, die nicht das nächste und immer nächste Plastikmerchandise brauchen, oder ein Jahr lang auf den Cosplay Contest hinarbeiten, sondern einfach Leute, die in Jeans und Hemd ohne großartig herausgestellten Doctor Who Bezug über Kostümgeschichte, continuity Fragen, Produktionsgeschichte(n) und Chromakey diskutieren möchten, dann lasst uns einander doch finden. Als Nerds unter Nerds. Fänd ich cool.

Bis zum nächsten Jahr!

PS. Und natürlich kaufe ich ein Ticket so früh wie möglich. Ich finde, das gebietet das Ehrgefühl und der Respekt gegenüber den Veranstaltern, die das Ganze mit viel Herzblut organisieren und eine Planungssicherheit brauchen.

Ein Gedanke zu „Alien unter Nerds“

  1. Hui, jetzt bin ich berührt. Und auch ge-rührt. Ich helfe gern, und auch für mich warst Du (ihr beide) ein Halt an dem Wochenende (besonders beim Dinner).
    Ich sehe sehr viele Punkte ähnlich wie Du, über die Unterschiede quatschen wir in Ruhe.
    Hier erst einmal Danke für die herzlichen Worte.

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