Facebook Benzin Boykott …

… ist Blödsinn.

Aber nachdem dieses Blog mit den Suchbegriffen gefunden und mein Artikel aus dem letzten Jahr (übrigens ziemlich genau 1 Jahr her!) schlecht bewertet wird (nicht, dass das irgendeinen interessieren würde, Kommentare fänd‘ ich lustiger), weise ich gerne nochmal auf den entsprechenden Spiegel-Artikel hin, den ich gerne unterschreibe:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,817135,00.html

In a nutshell: Lasst das Auto stehen, wenn euch die Benzinpreise nicht gefallen. Kämpft für Alternativen.

Benzinpreis senken, die facebook-Aktion und warum ich nicht mitmache.

Ich wurde letzte Woche zu einer „Veranstaltung“ auf facebook eingeladen, die da hieß „Benzinpreis 2011 senken“.

Inhalt: Tja, irgendwie keiner. Irgendwie so gegen hohe Benzinpreise sein. Halt so. Ohne feste Aktion, ohne festen Zeitraum. (Okay, „wir tanken bis Ende des Jahres nicht mehr bei den beiden bösen großen Konzernen“ ist der Plan. Super. Ich habe keine Ahnung, wie viele Tochterfirmen die haben.)

Also – einfach mal wild drauf los zwei Firmen boykottieren? Und bei anderen tanken? Wozu? Das ändert doch nichts am System. Und man müßte dann ja auch organsieren, wann man wo tankt! Das wäre ja fast sowas wie Fahrpläne lesen und sich damit abfinden, dass man nicht immer überall hinkommt.

Außerdem ist es meine persönliche Meinung, dass der Benzinpreis immer noch zu niedrig ist.

Ah, ich höre die Leser aufschreien: aber du fährst doch auch Auto!

Nein, tue ich nicht. Ich habe auch keinen Führerschein. Ich habe von Schulzeiten an gelernt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln umzugehen. Und ja, es ist ab und an ätzend aber seien wir ehrlich, wir haben in Deutschland ein verdammt gut ausgebautes ÖPNV-Netz. Verglichen mit England zum Beispiel. Ich sage nicht, dass es nicht besser werden kann.

Und ja, ich habe Freunde mit Autos. Ich genieße es, wenn mich jemand von A nach B mitnimmt, wenn ich etwas mehr Gepäck mitnehmen kann, wenn ich nicht abends an einem zugigen S-Bahn-Steig warten muß, wenn mich mal jemand zu IKEA fährt. Ja, Autos sind toll. Und nützlich.

Und dennoch: zukunftsweisend sind sie nicht. Jedenfalls nicht in der derzeitigen Form. Und deshalb werde ich mir auch weiterhin keinen Führerschein zulegen (ganz abgesehen von den Kosten) und im Zweifelsfall nicht von A nach B kommen oder eine halbe Stunde Extraaufwand beim Organisieren haben.

Was wir meiner Meinung nach brauchen und wofür es sich lohnt zu streiten ist ein günstigerer und besser ausgebauter ÖPNV. Ich möchte in solchen Diskussionen wie oben den Leuten sagen können: Fahrt doch mit Bus und Bahn, das dauert genauso lange, ist billiger und entspannter. Es gibt Strecken, bei denen ist das schon so. Ich bin am Freitag mit großem Seesack von Nürnberg nach Miltenberg gefahren, eine Stunde Zug nach Würzburg, 30 Minuten Aufenthalt, anderthalb Stunden Bus nach Miltenberg. Dabei konnte ich wunderbar handarbeiten und in Würzburg einen Happen essen. Ich glaube, diejenigen, die mit dem Auto gefahren sind, haben auch so lange gebraucht.

Es gibt aber noch viele viele weiße Flecken auf der Karte: kleine Käffer, in die kein Bus fährt oder wenn, dann nur einmal am Tag, überzogene ICE-Preise, dafür, dass man dann doch im Gang sitzt, fehlende Schienenanbindung in der Fläche. Und es gibt das Transportproblem: alles, was man in den Zug mitnehmen will, muß man mitschleppen und dort irgendwo unterbringen. Also brauchen wir vielleicht wieder einen Gepäckwagen am Zug, wie früher. Und müssen uns auf den alten Spruch besinnen: „was du nicht tragen kannst, brauchst du nicht“.

Also, wenn mich jemand zu einer Aktion für besseren Nahverkehr einlädt, damit es endlich eine vernünftige Alternative zum Auto gibt: her damit. Ich bin gerne dabei.