Courage?

„Courage is not the absence of fear. It’s being afraid and still doing what’s right.“

Dies passierte gestern Abend. Ich stieg in Bamberg in Zug, natürlich mit Kopfhörern auf, wie immer. Ein etwas zerlumpt aussehender Mann kam herein und fragte mich „Bitte, Nürnberg?“ und ich sagte „wie bitte?“ und er sagte „Nürnberg, Zug Nürnberg ?“. Ich antwortete, „Ja, der Zug fährt nach Nürnberg“ Daraufhin ließ er mich in Ruhe und ging weiter nach hinten.

Der Zug fuhr los, neben mir auf der anderen Vierergruppe saßen drei Mädels mit Cola und haben sich unterhalten als plötzlich irgendetwas durch die Luft flog. Ich habe gedacht, okay vielleicht ist irgendwas geplatzt oder so? Kurze Zeit später flog noch etwas und in der Zwischenzeit schrie eines der Mädels auf, und die anderen Mädels waren geschockt und schauten erschrocken nach oben, ob irgendwas von der Gepäckablage gefallen war?

Auf einmal kam der Mann vorbei, stand halt neben mir im Gang und hat das Mädel, das am dichtesten im Gang saß, geschubst und die ganze Zeit gesagt „du H***“ und „wo ist mein Handy, wo ist mein Handy?“. Die anderen Mädels waren immer noch total geschockt, kurz vorm Heulen und haben ihm dann die Teile von einem Handy gegeben dass da halt rumlag, das offensichtlich nicht ihres war, und ich schaute dann auch, was da lag, also gut, er hat offensichtlich ein Handy geschmissen oder zwei, die auseinander gefallen waren.

Intervention eines weiteren älteren Mannes mit seinem Fahrrad brachte nichts , der Typ ist dann immer wieder zurückgekommen, und ich dachte mir okay, du kannst das nicht so stehen lassen, weil das Mädel ja völlig verwirrt war. Ich bin dann aufgestanden und und zu ihr hin, sie hatte eine blutende Platzwunde am Kopf und ein dickes Auge, und ich dachte mir, scheiße der hat sie jetzt echt voll am Auge erwischt, und er ließ ja auch nicht ab von ihr.

Daraufhin bin ich da so ein bisschen im Gang stehen geblieben, quasi mit dem Rücken zum Gang, mit meiner Front zu ihr, so dass sie zumindest abgeschirmt ist. Gott sei Dank hat der Gestörte mich nicht angegriffen, sondern ist immer um mich rum gegangen, immer noch auf der Suche nach seinem Handy.

Er wollte dann aussteigen in Hirschaid, dann ist er wieder zurück, hat er immer noch ein zweites Handy nicht gehabt (Auflösung: Hülle und Handy hatten sich beim Sturz getrennt und er hatte das nicht erkannt), obwohl die Mädels immer wieder gesagt haben, „Hier, das ist halt alles, was wir haben.“ Das war halt irgendwie Hülle und noch irgendwie ein Akku.

Dann gab es zwei weitere Männer, die dann versucht haben, den Gestörten rauszukriegen, die ihn dabei wohl auch geschlagen haben, das habe ich aber nicht gesehen. Ich dachte nur, f*ck, wenn der jetzt noch eine Station länger hier drin bleibt, eskaliert das.

Irgendwann stand er auf dem Bahnsteig und hat gepöbelt und wollte rein, sein Handy suchen. Ich bin dann mit Absicht in der Tür stehen geblieben, weil ich zugegebenermaßen auch nicht mehr wusste, wo jetzt der Notrufknopf im Zug ist und auch keinen riesigen Aufriss machen wollte, und meinte dann nur „Okay, also wir blockieren jetzt einfach die Tür, bis der Schaffner merkt, dass hier was los ist und bis jemand vorbeikommt.“

Daraufhin kamen tatsächlich auch zwei Polizisten vorbei aus dem vorderen Teil des Zugs, ich habe versucht, neutral aufzuklären, was ich gesehen hatte. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, da war ich schon ein ganz kleines bisschen erschrocken und im Nachhinein muss ich auch sagen, ich glaube, ich war ein ganz kleines bisschen mutig.

Ich habe mich in der Folge, weil die Situation dann mit den Polizisten weitgehend unter Kontrolle war, und ich ja gesagt hatte, was zu sagen war, weiter nach hinten gesetzt, um die Jungs nicht bei der Arbeit zu stören.

In Erlangen war noch Berg, da kamen die ganzen Besoffenen dazu, der boah fragte mich dann nur, ob er mich abholen soll, und ich habe „ja, bitte“ gesagt. Also es war zwar vielleicht albern und es ist mir ja nichts passiert und ich wäre auch alleine heim gekommen, aber ich muss ganz ehrlich gestehen das hat mich schon… geschockt vielleicht nicht, aber ich war schon sehr froh, dass der beste Mann von allen mich abgeholt hat.